Forschung zur Diagnose: Abhängigkeit

9. Mai 2023· highandfocused
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Sucht ist eine weit verbreitete Zivilisationskrankheit. Sie betrifft sowohl illegale Substanzen (Kokain, Heroin, Methamphetamin usw.) als auch legale (Alkohol, Tabak) oder sogar verschreibungspflichtige (Opioide, Sedativa, Hypnotika und andere).

Behandlung mit CBD

Unter den Substanzen in Cannabis zieht insbesondere Cannabidiol (CBD) die Aufmerksamkeit von Experten auf sich. Aktuelle Forschungen zeigen, dass es positive Effekte bei der Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Epilepsie, Multipler Sklerose sowie der Parkinson- und Alzheimer-Krankheit hat. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hinweise, dass CBD kognitive Prozesse und die Bildung neuer Neuronen fördert und anxiolytische, antidepressive, antipsychotische und neuroprotektive Wirkungen besitzt. Dies deutet auf die potenzielle Nützlichkeit von Cannabidiol bei der Behandlung nicht nur neuropsychiatrischer Erkrankungen, sondern auch von Substanzabhängigkeiten hin.

Es gibt viele präklinische und klinische Studien, die belegen, dass CBD das Rückfallrisiko senken und die Motivation sowie die Abstinenz bei verschiedenen Drogen, einschließlich Alkohol, Opioiden (Morphin, Heroin), Cannabinoiden (THC), Nikotin und Psychostimulanzien (Kokain, Amphetamin), stärken kann.

Experten glauben, dass die „suchthemmende“ Wirkung von CBD durch die Regulierung des dopaminergen, opioidergen, serotoninergen und endokannabinoiden Systems sowie durch die hippocampale Neurogenese vermittelt wird.

Insbesondere an den Delta- und My-Opioidrezeptoren wirkt CBD als negativer allosterischer Modulator. Das bedeutet, es verringert deren Fähigkeit, Endorphine oder Opioidmoleküle zu binden. Dieser Effekt ist wahrscheinlich die Ursache für den therapeutischen Erfolg von CBD bei der Behandlung von Sucht. Weiterhin gibt es Hinweise, dass CBD den Dopamin-D2-Rezeptor teilweise aktivieren kann, was eine Rolle in seiner antipsychotischen Wirksamkeit spielen könnte.

Wichtig sind aber auch die entzündungshemmenden Wirkungen von Cannabidiol. Der Zustand der Abhängigkeit im Allgemeinen äußert sich im Gehirn nämlich als entzündlicher Zustand. CBD bietet daher bei richtiger Verabreichung eine sofortige Linderung.

Quellen

  1. Rolle von Cannabidiol bei der therapeutischen Intervention bei Drogenabhängigkeit (2021)
  2. Ist CBD ein Wundermittel? Magazin Hanf 20
  3. Šulcová, Alexandra: Cannabidiol zur Behandlung von Neuroinflammation und Sucht. Hanf und Wissenschaft, 2021

Nikotinabhängigkeit

Bereits ältere Studien zeigen, dass bei Rauchern, die gezielt CBD konsumieren, der Zigarettenkonsum deutlich sinkt (um 40 %).

Präklinische Studien deuten darauf hin, dass die Nikotinabhängigkeit durch Beeinflussung des Endocannabinoidsystems behandelt werden kann. Bei Labortieren reduzierte die CBD-Verabreichung die Symptome des Entzugssyndroms.

In der Tschechischen Republik gibt es über zwei Millionen Raucher. Insgesamt 20 % aller Todesfälle in unserem Land werden durch die Folgen des Rauchens verursacht, zu denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herz- und Gefäßkrankheiten), Krebserkrankungen und Atemwegserkrankungen gehören.

Quellen

  1. Cannabidiol reduziert den Zigarettenkonsum bei Tabakrauchern (2013)
  2. Das endogene Cannabinoidsystem moduliert Nikotinbelohnung und Abhängigkeit (2008)
  3. Neue Erkenntnisse zur Rolle des Endocannabinoidsystems und natürlicher Cannabinoide bei der Nikotinabhängigkeit (2021)
  4. Cannabidiol reduziert das Entzugssyndrom bei nikotinabhängigen Ratten (2021)

Alkoholabhängigkeit

Die Ergebnisse unzähliger Studien deuten darauf hin, dass CBD dazu beitragen kann, den Alkoholkonsum bei Personen mit Alkoholismus zu reduzieren. Positiv an der Cannabidiolbehandlung ist, dass sie kein Suchtpotenzial besitzt und im Allgemeinen sehr gut verträglich ist.

Interessant ist, dass CBD laut einiger Studien auch bei der Behandlung von Neurodegeneration, die durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht wird, helfen kann, und zwar sogar transdermal, also in Form eines CBD-Gels.

Experimentelle Studien haben ergeben, dass CBD die allgemeine Alkoholtrinkrate in Tiermodellen reduziert, indem es die Ethanolaufnahme, die Motivation zum Ethanoltrinken, Rückfälle, Angstzustände und Impulsivität verringert. Darüber hinaus reduziert CBD alkoholbedingte Steatose und Fibrose der Leber, da es die Lipidakkumulation reduziert, die Autophagie stimuliert, Entzündungen moduliert und oxidativen Stress reduziert. CBD reduziert auch alkoholbedingte Hirnschäden und verhindert durch seine antioxidativen und immunmodulatorischen Eigenschaften den Verlust von Neuronen.

Bemerkenswert sind auch Überlegungen, dass CBD bei der Behandlung von Alkoholismus auf verschiedene Weisen hilfreich sein kann. CBD kann zum Beispiel spezifische Mechanismen im Gehirn, die der Alkoholabhängigkeit zugrunde liegen, direkt beeinflussen und so den Alkoholkonsum beeinflussen.

Noch bemerkenswerter ist die Hypothese, dass CBD die Symptome der Alkoholabhängigkeit über seine Wirkungen auf das Verdauungs-, Immun- und Zentralnervensystem beeinflussen kann, die zusammen als Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse (MGBA) bekannt sind.

Es gibt präklinische Daten, dass Cannabinoide, einschließlich CBD, positive Auswirkungen auf das gastrointestinale und Immunsystem haben können, zum Beispiel können sie die Darmpermeabilität reduzieren, Darmbakterien regulieren und Entzündungen reduzieren. Alkohol wirkt in dieser Hinsicht genau umgekehrt.

Quellen

  1. Auswirkungen von THC und CBD auf den Alkoholkonsum bei gleichzeitigen Alkohol- und Cannabiskonsumenten (2021)
  2. Cannabidiol als neuer Kandidat in der Pharmakotherapie der Alkoholabhängigkeit: Eine systematische Übersicht (2019)
  3. Transdermale Verabreichung von Cannabidiol reduziert die Neurodegeneration durch übermäßigen Alkoholkonsum in einem Rattenmodell (2013)
  4. Cannabidiol lindert Lebersteatose, Stoffwechselstörungen, Entzündungen und Schäden durch Alkoholkonsum (2017)
  5. Therapeutische Perspektiven von Cannabidiol bei Alkoholabhängigkeit und Leber- und Hirnschäden (2019)
  6. Cannabinoide und die Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse: Neu entdeckte Wirkungen von Cannabidiol und dessen potenzielle Anwendung bei der Behandlung von Alkoholismus (2020)

Opioidabhängigkeit

CBD wirkt nicht nur gegen Angstzustände, Depressionen, Entzündungen und Schmerzen, sondern reduziert auch das Verlangen nach Opioiden, was für die Bewältigung von Entzugserscheinungen nach dem Absetzen von Opioiden sehr wichtig ist. In mehreren klinischen Studien wurde außerdem gezeigt, dass CBD gut verträglich ist und keine signifikanten Nebenwirkungen hat.

Immer mehr Beweise deuten darauf hin, dass CBD bei der Opioid-Entgiftung eingesetzt werden könnte, um sowohl akute als auch langfristige Symptome zu lindern, die mit dem Entzug verbunden sind. Die meisten der vorhandenen Erkenntnisse stammen jedoch entweder aus präklinischen Studien und/oder kleinen klinischen Studien.

Teilweise Studien deuten darauf hin, dass Cannabidiol im Gehirn den Belohnungsmechanismus hemmt, an den die Einnahme von Opioiden wie Morphin gebunden ist. Dieser Effekt zeigte sich jedoch nicht bei Kokainkonsum.

Spezifische Studien bestätigen, dass die akute Verabreichung von CBD das Verlangen und den Rückfall bei Heroinkonsumenten verhindern kann. Eine wichtige Erkenntnis ist auch, dass die Behandlung mit Cannabidiol keine negativen Auswirkungen auf die Methadon-Substitutionsbehandlung hat, im Gegenteil.

Die aktuelle „Opioidkrise“ in den entwickelten Ländern betrifft jedoch nicht nur illegale Substanzen wie Heroin oder Fentanyl, sondern vor allem auch verschreibungspflichtige Opioidanalgetika. Cannabis (einschließlich THC) ermöglicht dank seiner analgetischen und anderen Wirkungen eine drastische Reduzierung des Opioidkonsums (bis zu 78 %) und eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten sowie der öffentlichen Gesundheit, wie auch große Studien zeigen.

Bei der Schmerzbehandlung wird medizinisches Cannabis (insbesondere mit höherem THC-Gehalt) übrigens auch im tschechischen Gesundheitswesen eingesetzt. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist der Algesiologe MUDr. Radovan Hřib vom Universitätsklinikum St. Anna in Brünn.

Quellen

  1. Unterstützende Behandlung des Opioid-Entzugssyndroms mit dem Nicht-Opioid-Medikament Cannabidiol (2021)
  2. Cannabidiol verhindert die Belohnungswirkung von Morphin (2013)
  3. Cannabidiol, eine nicht-psychotrope Komponente von Cannabis, hemmt die Heroinsuche nach Stimulusexposition (2009)
  4. Cannabidiol zur Reduktion von Verlangen und Angst bei abstinenten Heroinabhängigen (2019)
  5. Auswirkungen des Cannabiskonsums während der Stabilisierung im Rahmen einer Methadon-Erhaltungstherapie (2013)
  6. Cannabis reduziert den Konsum von verschreibungspflichtigen Opioiden signifikant und verbessert die Lebensqualität: Ergebnisse einer großen prospektiven Studie (2021)
  7. Interview mit MUDr. Radovan Hřib: Wer will, sucht einen Weg

Amphetaminabhängigkeit

Präklinische Studien deuten darauf hin, dass CBD eine nützliche Alternative zur Vorbeugung von Rückfällen bei Amphetaminabhängigkeit sein könnte.

Bekanntlich ist CBD an der Neurogenese (Bildung neuer Neuronen) beteiligt. Gerade aufgrund dieser neuroprotektiven Eigenschaften wird es als geeignetes Mittel zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit bei Patienten in Betracht gezogen, die chronisch Psychostimulanzien, einschließlich Methamphetamin, ausgesetzt sind.

Quellen

  1. Cannabidiol verhindert den Rückfall bei Amphetamin und moduliert die Spiegel von D1- und D2-Rezeptoren in mesokortikolimbischen Hirnregionen bei Ratten (2021)
  2. Cannabidiol fördert die Neurogenese im Gyrus dentatus während der Abstinenzperiode bei Ratten nach chronischer Methamphetamin-Exposition (2021)

Kokainabhängigkeit

Neue Studien deuten darauf hin, dass CBD als ergänzende Behandlung der Kokainabhängigkeit eingesetzt werden könnte, da es auf das Belohnungssystem, den Kokainkonsum, Verhaltensreaktionen, Angstzustände, die Neuronenproliferation und den Leberschutz wirkt.

Kleine Studien mit Menschen haben jedoch bisher keine Reduktion des Verlangens oder des Rückfalls nach CBD-Verabreichung gezeigt. Bei Mäusen kam es beispielsweise zu einer Linderung von Angstzuständen und einer Normalisierung motorischer und somatischer Manifestationen.

Quellen

  1. Bewertung der potenziellen Anwendung von Cannabidiol bei der Behandlung von Kokainabhängigkeit: Eine systematische Übersicht (2020)
  2. Cannabidiol moduliert verhaltensbezogene und genexpressionelle Veränderungen, die durch spontanen Kokainentzug ausgelöst werden (2021)
  3. Cannabidiol (CBD) dämpft kokainbedingte Umgebungserinnerungen bei Mäusen (2020)

Glücksspielsucht

Glücksspiel gehört zu den verbreiteten modernen Abhängigkeiten mit großen sozialen Auswirkungen. Da CBD eine gewisse Wirksamkeit bei der Behandlung von ADHS zeigt, wird auch sein Potenzial bei der Therapie von Verhaltensstörungen wie Glücksspiel untersucht.

Quellen

  1. Ein forschungsdomänenkriterienbasierter Ansatz für Spielsucht und Verhaltenssüchte: Entscheidungsfindung, Reaktionshemmung und die Rolle von Cannabidiol (2021)

Cannabissucht

Nach zahlreichen Berichten und vereinzelten Fallstudien scheint CBD eine wichtige Rolle beim Entzug von der Abhängigkeit vom psychoaktiven Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) spielen zu können. Es reduziert Entzugserscheinungen, Angstzustände und Dissoziationssymptome.

Mehrere Studien und zahlreiche persönliche Berichte zeigen, dass CBD die akuten Wirkungen von THC reduziert, wie zum Beispiel zu intensive Erlebnisse oder psychotische Effekte. Dies liegt allem Anschein nach daran, dass CBD teilweise dieselben Rezeptoren wie THC besetzt.

Quellen

  1. Cannabidiol bei der Behandlung von Entzugserscheinungen nach Cannabisabstinenz (2013)
  2. Wie beeinflusst Cannabidiol (CBD) die akuten Wirkungen von Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) beim Menschen? Eine systematische Übersicht (2019)

Weitere Cannabissubstanz bei der Suchtbehandlung: Beta-Caryophyllen

Auch eine weitere sichere Cannabisverbindung, Beta-Caryophyllen, scheint vielversprechend bei der Behandlung von Suchterkrankungen zu sein. Es handelt sich um ein Terpen, das sich dadurch auszeichnet, dass es auf Endocannabinoid-Rezeptoren wirkt.

Neuen Studien zufolge kann Beta-Caryophyllen die Motivation zum Konsum und das Verlangen nach Nikotin, Kokain und Methamphetamin (Pervitin) reduzieren.

Quellen

  1. β-Caryophyllen, ein Lebensmittelterpenoid, dämpft Nikotinkonsum und -suche bei Nagetieren (2020)
  2. Beta-Caryophyllen dämpft kokainbedingtes Suchtverhalten durch Aktivierung von PPARα und PPARγ (2021)
  3. β-Caryophyllen, ein von der FDA zugelassenes Nahrungsergänzungsmittel, dämpft Methamphetamin-Selbstverabreichungs- und Suchverhaltensweisen (2021)
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