Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige neurologische Entwicklungsstörung, von der bis zu 5 % der Bevölkerung betroffen sind. Sie tritt ab der frühen Kindheit auf und hält bis ins Erwachsenenalter an.
Die Wirksamkeit der pharmakologischen Behandlung ist nicht zufriedenstellend, da sie in der Regel nicht das gesamte Spektrum der Krankheitssymptome abdeckt und langfristig nicht hilft.
Im Laienjargon wird ADHS oft mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) verwechselt, einer ähnlichen Störung, jedoch ohne Hyperaktivität. Ärzte bezeichnen beide Störungen manchmal mit dem Begriff „Hyperkinetische Störung“.
ADHS äußert sich durch Abweichungen in der Entwicklung des zentralen Nervensystems und eine gestörte Regulation auf der Ebene der Neurotransmittersysteme (noradrenerges und dopaminerges System). Dadurch werden alle kognitiven Funktionen beeinträchtigt. ADHS ist auch ein hohes Risiko für die Entwicklung anderer psychiatrischer Störungen.
Tendenz zur Selbstmedikation mit Cannabis
Es wurde bereits beobachtet, dass Jugendliche mit diagnostizierter ADHS eine höhere Neigung zum Cannabiskonsum haben. Deshalb überlegen Wissenschaftler, ob es sich nicht um eine Form der „Selbstmedikation“ handelt, also der spontanen Selbstbehandlung.1 Insbesondere Personen mit hyperaktiv-impulsiven Symptomen scheinen zu täglichem Marihuanakonsum zu neigen.2 Dies bestätigt sich jedoch auch bei Kindern und Erwachsenen, die an Unaufmerksamkeit leiden.3 Neuere Studien belegen diesen kausalen Zusammenhang weiterhin, und es ist daher offensichtlich, dass eine Behandlung mit Cannabis einer eingehenderen Untersuchung bedarf.4
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass bei einigen an ADHS leidenden Personen eine deutliche Normalisierung des Zustands beobachtet wurde, wenn sie einen hohen THC-Spiegel im Blutplasma hatten, und umgekehrt – in nüchternem Zustand überwog abnormes Verhalten und Unaufmerksamkeit.5
THC versus CBD
Als Wissenschaftler die Wirksamkeit und Funktionalität von offiziell registrierten Cannabinoid-basierten Präparaten bei ADHS-Patienten verglichen, linderte Bedrocan® (THC) Symptome wie geringe Frustrationstoleranz, Wutausbrüche, Langeweile und Konzentrationsschwäche. Im Gegensatz dazu neutralisierte Bediol®, das Cannabinoide THC und CBD enthält, die typischen berauschenden Wirkungen von Bedrocan® und trug unter anderem zu einem besseren Schlaf bei.6
ADHS gehört jedoch heute nicht zu den Indikationen, bei denen medizinisches Cannabis oder THC-haltige Präparate verschrieben werden können. Die Frage ist also, inwieweit eine Behandlung mit CBD sinnvoll ist?
Wissenschaftler sind heute der Meinung, dass CBD nützlich ist, um die Symptome von Schizophrenie, sozialer Angststörung sowie die Komorbiditäten von ASD und ADHS zu lindern. Schwächere Beweise gibt es für Schlaflosigkeit, Angstzustände, bipolare Störung, posttraumatische Belastungsstörung und das Tourette-Syndrom.7
Sativex-Spray
Erwähnenswert ist eine randomisierte und placebokontrollierte experimentelle Pilotstudie mit Sativex, einem Mundspray, das Cannabinoide (THC und CBD im Verhältnis 1:1) und Terpene enthält. Bei dreißig erwachsenen Personen mit ADHS zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Hyperaktivität und Impulsivität sowie eine Tendenz zur Verbesserung der Unaufmerksamkeit. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Theorie der Selbstmedikation berechtigt ist.8
Auswahl der Studien:
Attention-deficit/hyperactivity disorder and lifetime cannabis use: genetic overlap and causality 2020
Genetic overlap and causality between substance use disorder and attention-deficit and hyperactivity disorder 2021
Auswahl der Studien:
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und lebenslanger Cannabiskonsum: genetische Überschneidung und Kausalität 2020
Genetische Überschneidung und Kausalität zwischen Substanzgebrauchsstörung und Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung 2021
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Die therapeutische Rolle von Cannabidiol in der psychischen Gesundheit: eine systematische Übersicht 2020
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